Das Internierungslager Lamsdorf

Anfang der neunziger Jahre las ich das Buch Die Hölle von Lamsdorf: Dokumentation über ein polnisches Vernichtungslager, geschrieben von dem damaligen Lagerarzt Dr. Esser, der ausführlich und in vielen Details die damalige Zeit im Internierungslager schildert.

1945/46 wurden hier Deutsche unter schlimmen Umständen inhaftiert.

Sein Buch wurde seit 1969 in der Bundesrepublik Deutschland immer wieder aufgelegt und war für mich der ausschlaggebende Start für meine Familienforschung.

2001 gab es hierzu ein Gerichtsverfahren in Polen, dem der damalige Lagerkommandant Czeslaw Geborski als Angeklagter vor dem Gericht stand und 2006 vor Ende des Prozesses starb.

Die ersten Deutschen kamen am 26. Juli 1945 in das Lager, die letzten am 12. Februar 1946. Mein Großvater Franz Raida verstarb dort auf bisher nicht geklärte Weise, aber mit Gewissheit keines natürlichen Todes.

Zu meinen eigenen inhaftierten Familienangehörigen gehörten:

Anna Raida * 15.07.1932 (Tochter von Franz Raida, ausgesiedelt nach Schillig/Niedersachsen am 19.09.1946)

Edeltraud Raida * 10.11.1934 (Tochter von Franz Raida, ausgesiedelt nach Schillig/Niedersachsen am 19.09.1946)

Franz Raida * 28.05.1885 (mein Großvater) +16.03.1946

Franziska Raida * 02.11.1905 (meine Großmutter, ausgesiedelt nach Schillig/Niedersachsen am 19.09.1946)

Georg Raida * 24.07.1933 (Sohn von Franz Raida,ausgesiedelt nach Schillig/Niedersachsen am 19.09.1946)

Josef Raida * 15.02.1939 (mein Vater, Sohn von Franz Raida, ausgesiedelt nach Schillig/Niedersachsen am 19.09.1946)

Maria Raida *17.09.1877 (Schwester von Franz Raida) +08.03.1946

Maria Raida * 02.02.1936 (Tochter von Franz Raida, ausgesiedelt nach Schillig/Niedersachsen am 19.09.1946)

 

Heute sind die bekannten Namen der Opfer auf dem Lagergelände auf Tafeln vermerkt, unter anderem auch zahlreiche Namen aus der Familie Raida. Meine Familienangehörigen lebten zu dieser Zeit im ehemaligen Hotel Goldener Stern, waren als Hotelier oder Schuhmacher tätig und wurden 1946 aus Lamsdorf vertrieben.

Heute befindet sich die „Nationalen Gedenkstätte Lambinowice“ am Ort des ehemaligen Lagers, in deren Museum über das Lager berichtet und auch ein Film zur Lagergeschichte präsentiert wird.

Der Eintritt ist für alle Besucher kostenlos.

Die Webseite der Gedenkstätte bietet interessante und aufschlussreiche Einblicke in die damalige Zeit.

Zur Gedenkstätte Łambinowice gehören verschiedene Komplexe: Der alte Kriegsgefangenen-Friedhof, die ehemaligen Stammlager VIII B (344) und VIII F/318 (344) Lamsdorf, der sowjetische Kriegsgefangenen-Friedhof, das ehemalige Arbeitslager mit seinem Friedhof sowie das Zentrale Museum der Kriegsgefangenen.

Vertrieben, geflohen - angekommen? Eine Empfehlung zum Lesen

Prof. Edmund Nowak, hat sich unter anderem in dem Buch „Vertrieben, geflohen – angekommen?*“ wissenschaftlich mit den Geschehnissen im Lager Lamsdorf auseinandergesetzt.

In dem Band, der u.a. von Manfred Quentmeier 2016 im Wochenschau-Verlag herausgegeben wurde, wird das Thema Flucht und Vertreibung aus historischer, politikwissenschaftlicher, psychologischer und didaktischer Sicht aufgegriffen.

Zahlreiche Aspekte der hochkomplexen Flüchtlingsthematik der damaligen Zeit bieten ein Bindeglied zu dem heutigen Thema der Flüchtlingsbewegungen und -geschehnisse.

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4 Antworten

  1. Manfred Quentmeier sagt:

    Ich habe genauso mit dem Buch von Esser angefangen und meinen Großvater und seine Verwandten in der Lagerliste gefunden. Näheres zum Lager Lamsdorf finden Sie in meinem Buch vom Direktor der Gedenkstätte in Lamsdorf Prof. Edmund Nowak, Lamsdorf / Lambinowice und andere Lager in Oberschlesien im System der Nachkriegslager in Oberschlesien in den Jahren 1945/1950. In: Manfred Quentmeier …(Hrsg.) Vertrieben, geflohen – angekommen? Schwalbach /Ts. 2016, S. 78 – 89 sowie ergänzende Literatur von mir auf den Seiten 90-91.

    • joergmichael sagt:

      Sehr geehrter Herr Quentmeier,
      vielen Dank für Ihren netten Kommentar und die ergänzenden Hinweise. Ich hatte zwischen 1991 und 1993 persönlichen Kontakt und Briefaustausch mit Herrn Profeessor Nowak und schon damals in ihm eine wunderbare Geschichtsquelle finden dürfen. Für Ihren Literaturhinweis danke ich Ihnen sehr und ich werde mich sehr gerne zeitnah an die Lektüre setzen. Gerne melde ich mich auch noch einmal bei Ihnen persönlich.

  2. Manfred Quentmeier sagt:

    In den von Prof. Nowak aufgefundenen und 1998 veröffentlichten Teilen der Lagerkartei sind nicht nur vier, sondern acht Familienmitglieder mit Namen Raida als Insassen des Internierungslagers Lamsdorf aufgeführt (Anna, Edeltraud, Franz, Franziska, Georg, Josef, Maria, Maria).
    Falls Sie diesen Auszug noch nicht haben, schicke ich Ihnen eine Kopie der Seite.

    • joergmichael sagt:

      Ich würde mich sehr über eine Kopie der Seite freuen – vielen Dank für dieses freundliche Angebot!!

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